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VP Exakta 4x6,5 Spiegelreflexkamera für Rollfilm 127

Die kompakte einäugige SLR der Dresdner Ihagee-Werke wurde zur Leipziger Frühjahrsmesse 1933 mit sechs verschiedenen Standardobjektiven vorgestellt. Die Produktion begann im Januar 1933, eine Vorproduktion bereits im Herbst 1932. (Ihagee-)Offiziell wurde mit der Fabriknummer 400.000 begonnen. Allerdings existieren aus der Vorserie auch Objektivfassungen mit niedrigeren Nummern.

In der Literatur, aber auch Sammler-umgangssprachlich ist dieses Kameramodell unter verschiedenen Namen bekannt, obwohl es von der Ihagee immer nur als "Exakta" angeboten worden ist. Hier die Gebräuchlichen, ich will nicht ausschließen, das es noch andere gibt: Rollfilm-Exakta, VP-Exakta (englischsprachige Bezeichnung = Vest Pocket Exakta), Exakta 4x6,5, Exakta 127, Standard Exakta.

Steenbergens Chefkonstrukteur Karl Nüchterlein hat die Kamera als „Exakta“ konstruiert. Immerhin gab es bei ihrer Vorstellung noch keine anderen Typen. Mit Erscheinen eines weiteren Modells mit langen Verschlusszeiten wurde aus dem Urmodell die Exakta A und aus der Variante mit den Langzeiten die Exakta B. Und erst nach Erscheinen der Kine-Exakta (24x36 SLR) im Frühjahr 1936 wurde die Rollfilm-Exakta ab Januar 1937 zur „Standard Exakta“ – allerdings auch nur in Prospekten und Preislisten. Die Gravur auf den Kameragehäusen und die Ausstattung blieben unverändert.

Bemerkenswert ist, dass das allererste Modell nur als "Exakta" ohne weiteren Zusatz angeboten und verkauft worden ist. Es war ausschließlich in der Version erhältlich, die später als Exakta A angeboten wurde - also ohne Langzeitwerk. Diese Version wird auch von Richard Hummel nicht von der Beschreibung der "1. Baureihe" erfasst! Erst im Herbst 1933 gab es die Kamera dann auch mit Langzeitwerk als "Modell" B" zu kaufen. Die bisherige Version wurde zum Modell A. Das Modell "jr." und die Nacht-Exakta gesellten sich 1934 mit der 1. Baureihe hinzu.

Eine Zusammenfassung der unterschiedlichen Versionen dieser Kamera in eine bei Sammlern beliebte Tabellenform nach Fabrikationsnummern ist für diese Exakta leider nicht möglich. Auch wurden nicht die Gehäuse mit einer Nummer versehen, sondern vielmehr die leicht auszutauschenden Objektivfassungen. Wer mit der Art und Weise der Ihagee-Produktion dieser Jahre nicht vertraut ist, wird vielleicht kein Verständnis dafür haben, dass die kurze Produktionszeit nicht in einer übersichtlichen Tabelle dokumentiert werden kann. Als Referenzwerk mag das englischsprachige Buch "Exakta Cameras 1993-1978" von Clément Aguila und Michel Rouah (Hove-Verlag 1987) dienen. Es differenziert innerhalb der Modelle A, B usw. nach Versionen. Eine andere Klassifizierungsmethode nach Baureihen ist aus dem Buch "Spiegelreflexkameras aus Dresden" (1994) des früheren Ihagee-Mitarbeiters Richard Hummel abzuleiten.

Exakta Grundmodell 400005
Eine der ersten Exakta Spiegelreflexkameras - Detailbeschreibung s. weiter unter bei Fabr.-Nr. 406 053

Nach Überarbeitung des 1. Modells im Herbst 1933 wurde die Kamera mit einigen Veränderungen im Detail bis Ende 1939 gebaut. Die Fabrikationsnummern begannen bei 400.000 und endeten etwa bei 590.000. Die produzierte Stückzahl ist daraus jedoch nicht abzuleiten, weil in den Ihagee-Werken zu dieser Zeit noch unterschiedliche Kameras hergestellt wurden. Beispielsweise ist auch die Kine Exakta seit 1936 in diesem Nummernblock enthalten. Nicht jedes Modell erhielt für sich ein Kontingent Fabriknummern, vielmehr wurde fortlaufend nummeriert. Deshalb läßt sich auch die Anzahl der Modelle und Typen nur annähernd anhand von bekannten jeweils ersten und letzten Fabriknummern schätzen.
Zur Vergabe der Fabriknummern und zu Stückzahlen bei der Ihagee können Sie noch mehr auf meiner Kine-Seite lesen.

Prospekt 1933Beschreibung und Verkaufspreise aus dem ersten Exakta-Prospekt April 1933. Die hier abgebildete Exakta trägt übrigens die Nr. 339 262.







Wie beschrieben, ist es nicht einfach, die Exakta 4x6,5 Kategorien zuzuordnen, an denen sich der Sammler orientieren kann. Die Versionseinteilung von Aguila/Rouah ermöglicht dies ebensowenig wie die Auflistung der Baureihen von Richard Hummel. Je mehr versucht wird, eine tabellarische Einordnung zu finden, desto unübersichtlicher wird es. Das liegt vor allem am Baukastensystem, nach dem die Kamera gefertigt wurde und den fehlenden Fabriknummern der Gehäuse.

Ich würde mich freuen, wenn es mir mit meinen Bildern und Beschreibungen dennoch gelingen sollte, ein wenig mehr Übersicht in die nur 6jährige Bauzeit zu schaffen ohne damit gleich neue Typisierungskategorien zu schaffen.

Die fünf Modellreihen der Rollfilm-Exakta (nach Richard Hummel):

Zur Vermeidung von Missverständnissen - das Exakta Grundmodell aus den ersten Monaten des Jahres 1933 zählt Richard Hummel nicht als eigene Baureihe. Die 4 Baureihen beziehen sich auf die von Hummel beschriebenen Modelländerungen ab Herbst 1933. Somit kann der Sammler insgesamt 5 Modellreihen der Rollfilm-Exakta in die Vitrine sortieren. Dabei gibt es das Grundmodell nur in einer Version (späteres Modell A) und erst ab der 1. Baureihe die nachstehend aufgeführten Modelle A, B und jr. Die Varianten "C" und "Nacht" sind jeweils in der Modellausführung A oder B zu finden. Dies ist zugegebenermaßen ein wenig kompliziert, erklärt jedoch, weshalb sich die Standard-Versionen nicht in einer verständlichen Tabellenübersicht zusammenstellen lassen. Eine zusätzliche Erklärung dafür finden Sie noch, wenn Sie meine allgemeinen Hinweise zur Bauweise der Standard Exakta's weiter unten lesen.

Clément Aguila & Michel Rouah wählten in ihrem Standardwerk "EXAKTA CAMERAS 1933-1978" aus dem Jahr 1987 eine eigene Übersichtsform, in der sie die Modelle A, B, C, jr. und Nacht jeweils in unterschiedliche Versionen gliedern. Da diese recht gut nachvollziehbar sind, können sie - obwohl nicht ganz korrekt - für Referenzangaben bei Beschreibungen durchaus verwendet werden. In meinen folgenden Übersichten gebe ich - soweit möglich - sowohl die AR- als auch die Hummel-Baureihen-Version an.


LS-Deckel 1Der Sammler hat bei den ersten Modellen noch eine weitere Differenzierungsmöglichkeit bei der Lederabdeckung des Sucherdeckels. Das Ihagee-Emblem "aufgehende Sonne über der Mondsichel" (Sonne und Mond) ist erst ab etwa Fabr.Nr. 405 500 unterhalb der Ihagee-Prägung zu finden.







Lederabdeckung des Lichtschachtdeckels nur mit Ihagee-Prägung noch ohne das Ihagee-Warenzeichen "Sonne und Mond"; diese erste Version ist bei Kameras bis etwa Fabrik-Nr. 406 100 zu finden
LS-Deckel 2. Version









Lederabdeckung des Lichtschachtdeckels geprägt mit dem Ihagee-Schriftzug und dem Ihagee-Warenzeichen "Sonne und Mond" bei Kameras ab etwa Fabrik-Nr. 405 500.


Außerdem mussten der Aufzugs- und der Verschlusszeitenknopf ein paar Modifikationen ertragen, bis mit den Schnellaufzugshebel-Modellen eine endgültige Lösung gefunden wurde. Der Verschlusszeitenknopf hatte bei den frühen Modellen einen Durchmesser von 18, später 19 mm. Anfangs war er blank, dann schwarz lackiert und zuletzt wieder blank eloxiert. Für die fünf Modellreihen gebe ich als Anhaltswert jeweils eine niedrigste und höchste Fabriknummer an, innerhalb deren Bereiche ich Kameras mit den entsprechenden Ausstattungsmerkmalen kenne. Auf die AR-Versionsangaben sind Nummernkreise nicht übertragbar, weil innerhalb der Baureihen jeweils alle Versionen (A, B, C, Nacht, jr.) ausgeliefert worden sind.

Exakta Grundmodell
Bauzeit Januar-September 1933

Fabriknummern etwa 395 000 bis 406 100

Bis zum Herbst 1933 gab es als erste Exakta nur diese Ausführung ohne Langzeiten. Produktionsbeginn war offiziell im Januar 1933 mit der Fabriknummer 400.000. Für Werbe- und Vorführzwecke wurden bereits ab Oktober 1932 Kameras gebaut, jedoch noch nicht im Handel verkauft. Aus dieser Vorproduktion sind noch einige Objektivfassungen mit niedrigeren Fabriknummern vorhanden.

Exakta Modell 1933

Exakta Grundmodell
Exakta Grundmodell 1933 (AR Model A Version 1), Fabr.-Nr. 406 053, hier mit Zeiss Tessar 1:2,8 f=7,5 cm Feingewinde.
Die Kamera ist bis auf das Objektiv baugleich mit der weiter oben gezeigten Fabr.-Nr. 400 005.

Das Grundmodell ist an folgenden Merkmalen zu identifizieren: Prägung "Ihagee" (ohne Sonne und Mond) im Leder der Lichtschachtabdeckung; Objektivfassung mit Feingewinde M 39,5x0,5 (Wechselobjektive waren aber für diesen Anschluss nicht verfügbar). Verschluss 1/25 - 1/1000 s. Der vernickelte Aufzugsknopf hat meist 26 mm Durchmesser (bei einigen Kameras auch 22 mm) und ist im Griffbereich etwa 5 mm dick. Es ist noch keine Auslösesperre bei ganz eingeschraubter Objektivschnecke vorhanden und der Boden im Spiegelgehäuse ist noch unverkleidet (spätere Modelle mit Blechabdeckung).

Vergleich TessareDas Foto zeigt zwei frühe Tessare 2,8/7,5 cm mit nur geringem zeitlichen Produktionsabstand. Die Version (Nr. 1430315) ganz links hat Feingewinde 39x0,5, das andere Objektiv (Nr. 1430789) das spätere Normalgewinde 39,8x0,75.

Der Unterschied ist eigentlich nur im direkten Vergleich festzustellen und daran, dass die Objektive nicht in die jeweils andere Fassung passen. Mir ist keine Adaptionsmöglichkeit bekannt.


Weitere Merkmale früher Baureihen: Feststellhebel für die Fokus-Schnecke auf der rechten Kameraseite (bis etwa Fabr.-Nr. 413 000). Die rückseitige Verbindungsschraube von Außen- und Innengehäuse, die bei allen späteren Exaktas unterhalb des Lichtschachtverschlusses zu finden ist, fehlt beim Grundmodell und auch bei frühen Kameras der 1. Baureihe noch. Sie ist etwa ab Fabr.-Nr. 410xxx zu finden. Der Entfernungs-Einstellbereich ist unterschiedlich (Prospektangabe ab 1 m), bei der oben im Bild gezeigten Kamera von 0,9 m bis unendlich. Zur Entfernungseinstellung finden Sie weiter unten noch Einiges mehr. Keine Blitzanschlussbuchsen, kein Schnellaufzug; Rückwand mit Panfenster (ohne Abdeckung) lässt sich mit einem seitlichen runden Schiebeknopf öffnen (bis etwa Fabr.-Nr. 428 000).

Lichtschacht-GeradstellungAuf dem vorherigen Foto ist auch gut eine Schwäche der frühen Exakta's zu sehen - der geöffnete Lichtschacht steht nicht immer senkrecht! Dieses konstruktiv bedingte Problem wurde endgültig erst mit der 4. Baureihe gelöst, die ein etwas höheres und abgerundetes Frontschild erhielt. Bis dahin behalfen sich viele Exakta-Fotografen damit, die Frontplatte - oder zumindest deren äußere Ecken - etwas nach innen zu biegen. Wenn Sie also eine solche Kamera finden, hat sie meist keinen Fallschaden, sondern ihr früherer Besitzer hat bei der Geradstellung des Lichtschachtes nachgeholfen ...









Das Foto zeigt eine Exakta-Frontplatte, der ein früherer Besitzer mit einem kurzen Hammerschlag zu einer Lichtschacht-Geradstellung verhalf (Pfeilmarkierung).

Noppen auf LichtschachtDie Ihagee prägte zwischenzeitlich auch zwei Noppen in den Lichtschachtdeckel, die etwas mehr Abstand zur Frontplatte halten sollten.
Diese führten aber nicht selten zu kleinen Dellen im Lichtschachtdeckel, die den Geradstellungseffekt wieder aufhoben.







Foto: Prägenoppen als Abstandhalter zur Frontplatte um den Lichtschachtdeckel gerade zu stellen.

Exakta - 1. Baureihe
Bauzeit Herbst 1933 bis März 1935

Fabriknummern etwa 406 000 bis 424 000

Ab Herbst 1933 wurde eine überarbeitete Ausführung der Exakta gebaut und zur Leipziger Frühjahrsmesse 1934 öffentlich vorgestellt. Richard Hummel bezeichnet diese Modellvariante als 1. Baureihe. Mit dieser 1. Baureihe wurden auch die Modelle A, B und Junior sowie die Nacht-Exakta eingeführt. Sie unterscheidet sich vom Grundmodell durch folgende Merkmale: die Grifffläche des Aufzugsknopfes ist etwas dünner (3,2 mm) um den Verschlusszeiten-Einstellknopf leichter bedienen zu können, dieser erhielt gleichzeitig eine veränderte Form, die während der Bauzeit variierte (nickel oder schwarz). Der Ihagee-Schriftzug auf dem Lichtschachtdeckel wurde um das Ihagee-Emblem Sonne und Mond ergänzt. Das Objektivgewinde erhielt eine gröbere Steigung (M 39,8x0,75). Für dieses Gewinde wurden zunächst 4 Wechselobjektive mit Brennweiten zwischen 5,5 cm bis 15 cm angeboten.

Exakta Modell A

Exakta A

Exakta Modell A, 1. Baureihe, Fabr.-Nr. 410 354, hier mit Ihagee Exaktar (gebaut von Meyer Görlitz) 1:3,5 F=7,5 cm mit dem neuen Gewinde M 39,8 x 0,75. Diese Exakta wurde Anfang 1934 produziert; das Gehäuse entspricht noch dem Grundmodell. Veränderter Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf gegenüber dem Grundmodell.

Exakta Modell B

Exakta B V2

Exakta Modell B, 1. Baureihe (AR Model B Version 2), Fabr.-Nr. 417 384, hier mit Zeiss Tessar 1:2,8 F=7,5 cm mit dem neuen Gewinde M 39,8 x 0,75. Diese Exakta wurde etwa Mitte 1934 produziert; das Gehäuse entspricht noch dem Grundmodell. Der Verschluss wurde für das Modell B um ein Langzeitwerk erweitert, das Verschlusszeiten bis 12 Sekunden und darüberhinaus noch einen Vorlauf (Selbstauslöser) ermöglicht. Es gleicht bereits dem der späteren Kine-Exakta.
schwarzer VK

Gut zu sehen ist die veränderte Ausführung von Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf. Weil sich die Zeiteneinstellung bei den Vormodellen mit dem "dicken" Aufzugsknopf als unhandlich erwies, wurde die Griffbreite auf 3,2 mm verringert und damit etwas mehr "Spiel" für den Verschlussknopf geschaffen. Dieser erhielt dafür noch eine etwas höhere Befestigungsschraube.

Die zeitweise eingeführte schwarze Lackierung des Verschlusszeitenknopfes ist - selbst bei ansonsten noch gut erhaltenen Kameras - vielfach beschädigt oder oxydiert und lässt die Zeiten oft kaum noch erkennen. Der Versschlusszeitenknopf im Foto (hier bei einer Exakta der 2. Baureihe) rechts ist vergleichsweise noch in gutem Zustand.

Exakta Junior

Die Volksexakta - wie die Exakta Jr. sogar werksoffiziell genannt wurde - war die preiswerteste Exakta. Sie wurde mit der 1. Baureihe zur Leipziger Frühjahrsmesse 1934 vorgestellt. Die Junior war das einzige Modell der 4x6,5-Kamerabaureihe mit einer eigenständigen Typengravur. Frühe Modelle wurden mit der Gravur "Ihagee" versehen. Offenbar geschah dies nicht nur aus Verkaufsgründen, sondern auch um nicht authorisierte Umrüstungen durch Austausch des Objektivträgers zu verhindern. Denn bis auf die Verschlussbegrenzung 1/500 s waren Gehäuse und Technik der Jr. mit der des Modell A identisch. Und der Verschluss ließ sich leicht mit einer zusätzlichen Bohrung im Verschlusseinstellrad auf 1/1000 sec. erweitern....

Anfangs war die Jr. nur mit den von Meyer Görlitz gebauten Ihagee Anastigmaten 3,5 oder 4,5 Lichtstärke erhältlich. Im Laufe der Produktionszeit - die Junior blieb bis 1939 im Programm - waren bis auf die lichtstarken Nachtobjektive auch andere Normalobjektive mit der Junior erhältlich.

Exakta jr. 419287

Exakta jr., 1. Baureihe (AR Junior Version 1), Fabr.-Nr. 419 287, hier mit Meyer Trioplan 1:4,5 F=7,5 cm mit Frontlinsenfokussierung. Diese Kamera wurde etwa im Herbst 1934 produziert; das Gehäuse entspricht ebenfalls dem Grundmodell. Die Verschlusszeiten sind auf 1/25 bis 1/500 s begrenzt und das Objektiv ist nicht wechselbar. Aufzugs- und Verschlusszeitenknopf sind wie bei der Exakta B Nr. 417384 (Foto oben) ausgeführt.

Ihagee jr







Frontschildausführung einer Exakta Junior mit einem Typenschild "Ihagee". Die Kamera (Fabr.-Nr. 418 872) entspricht im übrigen der zuvor abgebildeten und beschriebenen Exakta Jr. 419 287.

Die Ihagee jr. ist innerhalb der Nummernreihe 413xxx bis 418 888 zu finden.


Nacht Exakta
Bauzeit ab etwa Mitte 1934

Mit der ab Herbst 1933 produzierten 1. Baureihe wurde auch die Nacht-Exakta als Prospektmodell eingeführt. Allerdings war sie erst später lieferbar, vermutlich weil die Objektive noch nicht zur Verfügung gestanden haben. Fabriknummern der Nacht-Exakta beginnen bei 422xxx. Unter dem Namen "Nacht"-Exakta verbirgt sich ein Modell A oder B, das werkseitig mit einem lichtstarken Objektiv ausgerüstet wurde. Der Objektivtubus der Nacht-Exakta besitzt einen Drehring mit größerem Durchmesser zwecks besserer Einstellung bei den größeren Durchmessern der lichtstarken Objektive. Außerdem ist die üblicherweise im Objektivträger gravierte Fabriknummer auf dem oberen Rand des Lichtschachtes graviert. Allerdings sind auch Exakta-Modelle mit lichtstarken Objektiven ohne diese Nacht Exakta-Merkmale in den Handel gekommen. Im übrigen entsprechen die Nacht Exaktas den Normalmodellen der jeweiligen Baureihe.

Die Kamera war mit folgenden Objektiven lieferbar: Zeiss Biotar f/2, Schneider Xenon f/2, Meyer Primoplan f/1,9 - alle mit 8 cm Brennweite. Für den Export vorgesehene Kameras wurden auch mit dem Dallmeyer super six (s. weiter unten) ausgestattet. Der Verkaufspreis einer Nacht-Exakta mit Biotar betrug 1936 RM 375,- (Modell B). Im Vergleich dazu kostete die preiswerteste Exakta-Junior RM 90,-

Nacht Exakta A
Nacht-Exakta A 1. Baureihe (AR Night Exakta Version 1), Fabr.-Nr. 423 467, hier mit Schneider Xenon 1:2 F=8 cm. Bauzeit etwa Herbst 1934.
Die Nacht-Exakta A ist die seltenste Version der Standard-Exakta-Bauserie.

Laut Richard Hummel wurden nur etwa 1,2 % aller ausgelieferten Kameras als Nacht Exakta A verkauft (zum Vergleich Exakta Modell B = 60 %). Dies wird sicher daran gelegen haben, dass ein Käufer, der ein vergleichsweise teures Kameramodell erwirbt, in der Regel nicht an einer Minderausstattung spart. Laut Preisliste 1936 (s. unten) kostete diese Version mit Xenon oder Primotar 280 RM gegenüber 120 RM für die preisgünstigste Objektivbestückung mit einem Exaktar. Eine Nacht-Exakta B mit Biotar hätte die Haushaltskasse um 375 RM erleichtert.

Exakta - 2. Baureihe
Bauzeit März 1935 bis Herbst 1935

Fabriknummern etwa 422 000 bis 438 000

Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1935 wurde die 2. Baureihe öffentlich vorgestellt. Die Kameras dieser Baureihe erhielten einen Schnellaufzug, der alle Verschluß- und Filmtransportfunktionen erledigte. Der Objektiv-Rasthebel wanderte auf die linke Kameraseite. Die Rückwand erhielt ein neues Filmkontrollfenster mit Panschieber. In dieser Ausführung wurde das Modell nur bis zum Herbst 1935 produziert und dann - als 3. Baureihe - mit Blitzbuchsen ausgestattet.

Exakta - 3. Baureihe
Bauzeit September 1935 bis Ende 1937

Fabriknummern etwa 430 000 bis 520 000

Ab September 1935 wird die 3. Baureihe der Rollfilm-Exakta hergestellt. Die wichtigste Änderung waren zwei Buchsen für den Blitzgeräteanschluss auf der rechten Kamerafront. Zu Jahresbeginn 1937 erhielt die Rollfilm-Exakta in Prospekten und der Werbung den Namen "Standard Exakta" um sie von der neuen "Kine Exakta" abzugrenzen. Technisch änderte sich dadurch gar nichts und auch die Frontplattengravur "Exakta" war davon nicht betroffen. Ab etwa Mitte 1937 konnten alle Modelle wahlweise in schwarzer oder verchromter (gegen Aufpreis) Ausführung geliefert werden.

Mit dieser Baureihe wurde auch eine Plattenrückwand für die Exakta eingeführt. Werkseitig sollte damit kein neues Modell, sondern eine Erweiterung geschaffen werden. Im Handel wurden die mit der Plattenrückwand ausgestatteten Kameras durchweg als Modell C bezeichnet. Diese Modellbezeichnung ist auch bei Sammlern üblich. Zu einer vollständigen Exakta C gehört allerdings auch der passende Distanzring zur Objektivanpassung. Dieser Ring war nötig, wenn mit der Normalrückwand und Rollfilm gearbeitet wurde; er ist mit der Fabriknummer des Objektivträgers graviert!

Die von Richard Hummel auch in die Bauzeit dieser Baureihe eingeordnete Einführung der größeren und verschraubten Frontplatte sehe ich hingegen als Fertigungsbeginn der 4. Baureihe etwa Ende 1937.

Exakta Modell B

Exakta B 3. Baureihe
Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 487 814, hier mit einem Ihagee Exaktar 1:3,5 F=7,5 cm. Diese Abbildung zeigt eine Exakta Modell B aus dem Jahr 1937 mit Schnellaufzug
und den beiden Blitzbuchsen für das erste Ihagee-Blitzgerät. Der Verschlusszeitenknopf ist bei dieser Kamera bereits wieder blank.


Exakta Modell C für Plattenrückwand

Exakta C
Exakta CExakta C mit Plattenrückwand

Exakta B mit Plattenrückwand, auch Modell C genannt (AR EXAKTA C Version 1), Fabr.-Nr. 447 619, hier mit Tessar 1:3,5 f=7,5 cm aus der 3. Baureihe. Die beiden ersten Abbildungen zeigen die Kamera mit einer aufgesetzten Rollfilm-Rückwand und im zweiten Foto den passenden Ausgleichsring hierzu.

Im dritten Bild ist die Kamera mit einer eingesetzten Mattscheibe zu sehen, auf der bei Plattenaufnahmen (Format 5x6 cm) eingestellt werden kann. Vor der Aufnahme wird der Suchereinsatz gegen eine passende Plattenkassette gewechselt. Technisch ist diese Exakta ansonsten identisch mit dem Modell B.


Nacht-Exakta

Nacht-Exakta

Nacht-Exakta B 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 517 085, hier mit Dallmeyer SUPER-SIX F/1.9. Diese Abbildung zeigt eine Nacht Exakta Modell B aus dem Jahr 1938, die oberhalb der Blitzbuchsen eine Gewindebuchse zur besseren Befestigung des neuen Ihagee-Blitzgerätes erhielt. Hingegen hat diese Kamera noch die gerade, unverschraubte Frontplatte der 3.Baureihe, der ich sie demnach auch zuordne.

Nach Richard Hummel's Beschreibung ließe sich die zuvor gezeigte Kamera auch der 4. Baureihe zuordnen in der die Befestigungsbuchse serienmäßig eingebaut wurde. Dazu passt auch die Herstellungsnummer 517 085 (Frühjahr 1938). Hingegen passt die alte gerade Frontplatte nicht dazu. Denkbar wäre auch eine Nachrüstung, gegen die wiederum die Herstellungsnummer aus dem Fertigungszeitraum der 4. Baureihe spricht. Diese Kamera dokumentiert - wie von Richard Hummel auch ausgeführt - dass die Standard Exakta's viel Raum zum Spekulieren bieten und man nie so ganz sicher sein kann, ob die aktuelle Kamera nun "original" ist oder nicht. Auch die Fabriknummer auf dem Objektivträger kann nur ungefähr einen Anhaltswert zur Zuordnung geben. Damit muss der Exakta-Sammler leben ...

Es ist deshalb auch umstritten, ab wann diese häufig als 3. Blitzbuchse bezeichnete Befestigung serienmäßig eingeführt wurde. Richard Hummel legt den Produktionsbeginn hierfür auf 3/1938. Kameras aus früherer Zeit mit dieser Befestigungsbuchse werden wohl in den Genuß des Ihagee-Angebotes gekommen sein, ältere Modelle mit technischen Verbesserungen nachzurüsten. Für den von R. Hummel genannten Zeitpunkt spricht zudem, dass auch die Kine-Exaktas seit 1938 diese Gewindebuchse besitzen.

Exakta Junior Exportversion für Kleinbildfilm

Exakta Jr. Export
Exakta Jr. 3. Baureihe, Fabr.-Nr. 430 142, hier als Exportversion mit T.M. Reg.-Gravur und einem Ihagee Anastigmat 1:4,5 F=7,5 bestückt.
Diese Junior ist werksseitig für Rollfilm 828 mit dem Bildformat 28x40 mm ausgerüstet.

Exakta Jr. 828

Das Foto zeigt die obige Exakta Jr. Nr. 430 142 mit geöffneter Rückwand. Gut zu sehen sind die Filmbühne mit dem kleineren Bildausschnitt 28x40 und in der linken Filmkammer die für Kleinbildfilm adaptierte Aufwickelspule. Weiter unten finden Sie noch mehr zu dieser Besonderheit und auch ein Foto mit geladenem Rollfilm 828

Panfenster normalAus mir unbekannten Gründen hat diese Junior-Exakta auch einen anderen Verschlussschieber für das Panfenster. Ganz links die übliche Ausführung mit einem Schiebeknopf, rechts die Jr.-Version mit Schiebestift.

Exakta Standard - 4. Baureihe
Bauzeit 1937/1938 - Ende 1939

Fabriknummern etwa ab 500 000 bis 591 206 (Produktionseinstellung)

Die letzte Modelländerung der seit Jahresbeginn 1937 in Standard-Exakta umbenannten Kamera erfolgte bereits Mitte 1937. Dabei wurde eine neue Frontplatte eingeführt, die etwa 3 mm höher und am oberen Rand gerundet war. Sie ist mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt. Richard Hummel nennt hingegen als Produktionsbeginn der Baureihe 4 März 1938, als über den beiden Blitzbuchsen eine zusätzliche Gewindebuchse zur besseren Befestigung des Ihagee-Blitzgerätes angebracht wurde (die Kine Exakta erhielt diese Nachrüstung ebenfalls und etwa zur gleichen Zeit). Nicht ganz korrekt führte diese Buchse zu der Namensgebung "Exakta mit 3 Blitzbuchsen. Ich würde den Zeitpunkt der Modelländerung jedoch eher mit der Einführung der neuen Frontplatte sehen - doch muss man deswegen sicher keinen Krieg führen ...

Standard Exakta Modell B mit neuer Frontplatte

Standard Exakta B 533386

Exakta B mit schwarzer geschraubter Frontplatte (AR Modell B Version 5), Fabr.-Nr. 533 386, hier mit Ihagee Exaktar 1:3,5 f=7,5 cm. Die Abbildung zeigt eine Exakta B aus der 4. Baureihe in der Mitte 1937 eingeführten neuen Frontplatte. Diese ist etwa 3 mm höher, am oberen Rand gerundet und mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt.

Etwa ab Fabr.-Nr. 540 000 findet sich noch eine Änderung bei den Verschlusszeiten. Neu gab es 1/150 und 1/400, dafür entfielen 1/300 und 1/600. Bei den Langzeiten wurde aus 1/10 s 1/5 s nachdem schon eine Baureihe zuvor der "rote" Langzeitbereich geändert worden war (s. auch weiter unten bei den allgemeinen Bauangaben). Gelegentlich wird behauptet, kosmetische Gründe seien ursächlich für die Frontplattenänderung im Zusammenhang mit der wahlweise (gegen Aufpreis) erhältlichen Chromausführung gewesen. Dies ist aus zwei Gründen nicht richtig: 1. die Chromausführung wird bereits mit der 3. Baureihe angeboten. 2. Bei den früheren Modellen kippte der Lichtschachtdeckel häufig über die Senkrechtposition nach vorne und verbog sich dadurch leicht. Diesen Makel hatte man bereits 1934 erkannt und mit zwei kleinen Prägungen seit der Version 3 abzustellen versucht (s. Foto weiter oben). Doch auch die Prägenoppen drückten sich ein und verbeulte Lichtschachtdeckel waren die Folge. Die höhere Frontplatte löste dieses Problem auf elegante Weise. (Übrigens hatte die Ihagee in den 50er Jahren bei den Varex-Lichtschächten mit nahezu dem gleichen Problem noch einmal zu kämpfen).

Standard Exakta Modell B (Chromversion)

Exakta B Chrom

Exakta B Chromausführung (AR Modell B Version 6), Fabr.-Nr. 542 990, hier mit Ihagee Exaktar 1:3,5 f=7,5 cm. Die Abbildung zeigt eine Exakta B in verchromter Ausführung aus der 4. Baureihe, bereits mit den geänderten Verschlusszeiten. Die letzte Modelländerung der seit Jahresbeginn 1937 in Standard-Exakta umbenannten Kamera erfolgte Mitte 1937. Dabei wurde eine neue Frontplatte eingeführt, die etwa 3 mm höher und am oberen Rand gerundet ist. Sie wurde mit 4 Schrauben am Kameragehäuse verschraubt.

Exakta B Chroma

Eine weitere Exakta B Chromausführung (AR Modell B Version 6), Fabr.-Nr. 545 136, hier mit einer Spezialversion des Ludwig Victar 1:2,9 F= 7,5 cm. Im Gegensatz zur vorherigen Exakta B 542 990 sind bei dieser Kamera nicht alle Bedienungsteile verchromt. Aufzug und Langzeitknopf sind - wie bei den schwarzen Versionen - vernickelt, während der Griffring der Objektivfassung frontseitig schwarz lackiert ist. Die Kamera hat auch noch - obwohl eine spätere Nummer - die älteren Verschlusszeiten.

Hingegen ist beim Ludwig-Objektiv auch der Frontring verchromt. Es ist eigentlich eine Objektivversion für die Junior, jedoch ist die Frontlinseneinstellung fixiert. Bei der Kamera handelt es sich ebenfalls um eine Exakta B aus der 4. Baureihe, allerdings in einer Exportversion. Die Frontplatte trägt die damals übliche Gravur T.M Reg. (Trade Mark Registered); die Fokus-Skala ist in Feet, beginnend mit 3.5 F. Aufgrund der eigenwilligen Ausstattungsmerkmale ist zu vermuten, dass die abgebildete Kamera nicht in diesem Zustand zur Auslieferung gelangt ist, sondern - wie von mit mehrfach beschrieben - später verändert worden ist.


In der Chromversion waren alle Modelle (auch die jr.!) gegen Aufpreis lieferbar. Dabei wurden die sonst schwarz lackierten und vernickelten Gehäusebauteile (nicht immer alle, wie an der obigen Kamera 545 136 zu sehen), nicht jedoch das Gehäuse selbst, mattverchromt geliefert. Unterschiedlich war hingegen die Objektivbestückung. Manchmal wurden Objektive mit komplett verchromten Frontringen montiert. Ansonsten sind meist Objektive aus der Normalproduktion zu finden, bei denen nur der Blendenring verchromt ist. Handelt es sich aktuell um ein Objektiv mit vernickeltem Blendenring, stammt dies meist aus einer früheren Herstellungszeit. Hierzu erfahren Sie bei den Objektivausführungen noch mehr.

Zum Produktionsende der Standard Exakta-Baureihe wurde gegen Jahresende 1939 noch eine kleine Serie der Exakta Junior in Chromausführung aufgelegt (Fabriknummern ab etwa 590 500 bis 591 206). Die Jr. mit der Fabriknr. 591 206 ist gleichzeitig die letzte mir bekannte Standard Exakta.

Standard Exakta Junior (Chromversion)

Exakta Junior chrom
Die Exakta Jr. in Chromausführung, Fabr.-Nr. 590 686, hier mit dem Ihagee Anastigmat 1:4,5 f=7,5 cm.
Die kurzen Verschlusszeiten dieser Kamera sind 1/25, 1/50, 1/100, 1/200, 1/300, 1/400, 1/500.




Wie variantenreich die Chromversionen ausgestattet wurden, machen auch die folgenden Vergleichsfotos deutlich. Sie zeigen die Haltebleche der Rückwandverriegelung in drei unterschiedlichen Ausführungen.

Rückwandverschluss schwarzRückwandverschluss chrom/schwarzRückwandverschluss chrom


Zur Bauweise der Rollfilm-Exakta im allgemeinen

Während das technische Grundkonzept der Kamera in der sechsjährigen Bauzeit unverändert blieb, wurden die Modelle auch innerhalb der Baureihen - wie an einigen Fotobeispielen gezeigt - geringfügig verändert. Wichtig zu wissen ist, dass die Kamera im Werk sozusagen im Baukasten-Prinzip gefertigt worden ist. Deshalb sind zwar die Gussgehäuse der jeweiligen Baureihe(!) innerhalb eines Produktionszeitraumes bei allen Modellen gleich. Die Anbau- und Bedienungsteile wurden aber wohl nach jeweiliger Verfügbarkeit montiert.

Je nach Modell wurden unterschiedliche Innengehäuse (Spiegelmechanik, Verschluss, Aufzugsmechanismus), Objektivfassungen oder auch die Plattenrückwand eingesetzt. Insgesamt lassen sich wohl etwa 30 Modellvarianten der Exakta 4x6,5 aufgrund äußerlich erkennbarer Merkmale unterscheiden. Hinzu kommt noch einmal knapp die gleiche Anzahl an Exportversionen. Gerade an den beschriebenen Beispielen der Chrom-Exakta wird aber deutlich, wie unmöglich es ist, die Ab- und Unarten der Rollfilm-Exakta nachvollziehbar darzustellen oder zu beschreiben. Wer sich dies Alles in die Vitrine stellen möchte, braucht wohl eine solche in ausziehbarer Ausführung ...

VerschlussInnengehäuse In den beiden Fotos sehen Sie das Innengehäuse einer Standard Exakta A. Die Verschlusstücher der meisten der heute noch erhaltenen Kameras sind leider in dem Zustand wie im Foto links. Zwar lassen sich die Verschlusstücher auswechseln, jedoch ist dies kein ganz geringer Aufwand weil sie zuvor neu angefertigt werden müssen. Originaltücher sind jedenfalls nicht mehr erhältlich.

Daneben sehen Sie den Verschlussmechanismus; dieser ist bei allen Kameramodellen gleich. Das Langzeitwerk der B-Modelle wird unterhalb der rechten Deckplatte eingebaut und über ein Schiebegestänge oberhalb der Filmbühne mit der linken Verschlusskammer verbunden.


Der engagierte Sammler wird neben den beschriebenen noch weitere Unterscheidungsmöglichkeiten finden, die jedoch eher auf produktionsbedingte Gegebenheiten als auf Modellentwicklung zurückzuführen sein mögen. Die Typengravuren auf den Kameras waren unabhängig vom Modell einheitlich "Exakta". Lediglich die preiswerteste Ausführung erhielt den gravierten Zusatz "jr". Ausnahme: einige frühe Exemplare der Exakta Junior sind mit "Ihagee" graviert. Bei den Nacht-Exaktas wurde die Fabriknummer auf den Lichtschachtdeckel graviert. Es sind jedoch auch Gehäuse ohne dieses Merkmal als Nacht-Exakta verkauft worden. Das Baukastenprinzip machte Abwandlungen aller Art leicht möglich.

Auch bei den Verschlusszeiten wurden im Lauf der Produktion geringfügige Veränderungen vorgenommen. Etwa ab Fabr.-Nr. 540 000 gab es eine Änderung - seit dem Grundmodell hatten die Exakta's Verschlusszeiten von 1/25, 1/50, 1/100, 1/200, 1/300, 1/600 und 1/1000 dazu B und Z. Nur die Junior hatte noch 1/400, dafür war bei 1/500 Schluss. Die Zeitenreihe war nun: 1/25, 1/50, 1/100, 1/150, 1/200, 1/400, 1/1000. Mir will der Grund für diese eher unerhebliche Veränderung nicht einleuchten - wo liegt praktisch ein Unterschied zwischen 1/150 und 1/200? Die Zeitenknöfe selbst gibt es mit 18 und 19 mm Durchmesser; ich habe allerdings nicht festgehalten, ob diese abwechselnd und ggf. bei welchen Baureihen jeweils montiert worden sind.

Verschlussknopf V1Verschlussknopf V1aVerschlussknopf V2Verschlussknopf V2a
Verschiedene Ausführungen des Verschlusszeitenknopfes, links die 1. blanke Version - rechts die 2. Version in schwarz

Verschlussknopf V3Verschlussknopf V3aVerschlussknopf V4Verschlussknopf neue Zeiten
Spätere Ausführungen des Verschlusszeitenknopfes, links die 3. Version noch in schwarz,
daneben die wieder blanke Version der Baureihe 4 und ganz rechts die letzte Ausführung mit den veränderten Verschlusszeiten.


Langzeitknopf V1Langzeitknopf V2Langzeitknopf V3

Bei den Langzeiten wurde im Laufe der Bauzeit ebenfalls ein wenig gefeilt - aus 1/10 s wurde 1/5 s nachdem schon eine Baureihe zuvor der "rote" Vorlaufbereich von 1/10, 1/2, 1, 2, 3, 4 6 in 1/10, 3/4, 1/1/2, 2, 3, 5, 6 geändert worden war.

Rückwand 1Rückwand 2
Rückwand CRückwand C 2.
Die beiden Rückwandausführungen der Rollfilm-Exakta (oben) und die Rückwand der Exakta C mit Rollfilm-Einsatz.

Die erste Ausführung mit dem offenen Panfenster wurde zwar nach R. Hummel nur bis zur 1. Baureihe eingebaut, ist aber auch noch bei frühen Kameras der 3. Baureihe zu finden. Diese erste Rückwand hatte seitlich einen runden Schiebeknopf zum öffnen. Die zweite Rückwandversion hat eine verschiebbare Abdeckung für das Panfenster. Die beiden Fotos in der zweiten Reihe zeigen die Rückwand der Exakta Modell C (für Plattenrückwand) mit dem Rollfilmeinsatz. Die erste Version (linkes Bild) hat sowohl ein offenes Panfenster und zusätzlich auch die aufgeschraubte Schiebekonstruktion. Eine spätere Ausführung hat nur noch das Schiebefenster der zweiten Rückwandausführung und auch den rechteckigen Öffnungsschieber.

Der seitliche Öffungsknopf ist bei der ersten Version rund (Bild links). Bei der zweiten Rückwandversion ist er (meistens) rechteckig ausgeführt. Es gibt aber auch Rückwände dieser zweiten Version noch mit dem runden Öffnungsknopf, wie in den Fotos 2+3 oben zu sehen ist.

Während der Bauzeit wurde die auf der Innenseite der Rückwand angenietete Filmandruckplatte von anfangs schwarz auf später blank verändert.

Gegenüber der späteren Kine-Exakta besitzt die Rollfilm-Exakta einen zusätzlichen Sucherspiegel, der - wie bei manchen Mittelformat-TLR's - schräggestellt und arretiert auch eine Motivbetrachtung mit waagerechtem Einblick ermöglicht. Allerdings geht das nur bei ausreichend hellen Motiven und offener Blende. Das Sucherbild ist dann zwar seitenrichtig, steht aber auf dem Kopf ....

Damit bei Alt- und Neu-Sammlern keine Verwirrung über die Modellvariante entsteht, empfehlen sich bis auf weiteres, die Versions-Angaben von Aguila/Rouah (AR). Darüber hinaus dienen Angaben über die Baureihe und das Modell der Identifikation. Leider sind - aufgrund des zuvor beschriebenen "Baukasten-Prinzips" - die Fabriknummern kein eindeutiges Identifikationsmerkmal. Aus welchen Gründen und von wem auch immer sind nicht selten die Objektivfassungen vom ursprünglichen Gehäuse abgeschraubt und an ein anderes angebracht worden. Deshalb sind Eigenartigkeiten, etwa ein verchromtes Biotar mit Schneckengang an einer Jr. auch keine Variante oder gar eine seltene Abart sondern Bastelei!

Preisliste 136
Standard-Exakta-Preisliste 1936

Objektive, Fassungen und Entfernungsskalen der Standard Exakta

Obwohl die Rollfilm-Exakta mit der Möglichkeit zum Objektivwechsel ausgerüstet war, sind Wechselobjektive für diese Kameras recht selten zu finden. Dies hat neben der Tatsache dass für damalige Fotografen Wechselobjektive eine kostentreibende Angelegenheit waren, auch einige ganz praktische Gründe. In den Zeiten der Platten- und Rollfilmkameras war die die Veränderung des Bildausschnittes mit dem Aufnahmeobjektiv eher ungebräuchlich, man machte das in der Dunkelkammer. Die großen Negative boten hierzu ausreichend Gelegenheit. Für Kleinbildkameras waren die Gegebenheiten anders, doch waren diese gerade erst erfunden und selbst die Leica hatte anfangs noch keine Wechselobjektive.

Anders als in den 50er Jahren musste das Interesse der Fotografen am Wechselobjektiv also erst geweckt werden. Zudem war der praktische Gebrauch von Wechselobjektiven an der Standard-Exakta auch alles andere als die reine Freude. Tele- und mehr noch die wenigen "Weitwinkel"-Objektive hatten nur geringe Lichtstärke - das Tessar 5,5 cm (im Foto ganz links) gar nur 1:8! Damit war die Motivbetrachtung auf der ohnehin nicht sonderlich hellen Mattscheibe recht gewöhnungsbedürftig.

Standard-Objektive
Objektive für die Standard-Exakta - eine Auswahl.

Für das Objektivgewinde 39,5x0,5 (Feingewinde mit 0,5 mm Steigung) des 1933er Grundmodells konnten noch keine Objektive mit anderen Brennweiten geliefert werden. Bereits nach kurzer Bauzeit wurde das Objektivgewinde auf das - ebenfalls ungewöhnliche - Maß von M 39,8x0,75 geändert. Für die wenigen lieferbaren Wechselobjektive war allerdings eine Anpassung im Dresdner Werk notwendig; dazu musste die Kamera eingesandt werden. Offenbar war das Auflagemaß fertigungsbedingt nicht einheitlich (vergleichbar den ersten, nicht auf "0" abgestimmten, Leica's).


Nicht selten gab es Probleme mit Carl Zeiss Jena bei der Lieferung der für die Exakta benötigten Objektive.

Zur werkseitigen Anpassung gehörten noch einige Zusatzleistungen. Diese Arbeiten waren aber auch deshalb notwendig, weil die Objektive der Standard keinen eigenen Schneckengang für die Entfernungseinstellung besitzen. Diese erfolgt bekanntlich in dem mit dem Kameragehäuse verschraubten Tubus. So wurde eine Einstellskala für das Objektiv angefertigt und der Unendlich-Anschlag mit dem des zur Kamera gehörigen Normalobjektivs zusammengelegt. Außerdem erhielt bei Teleobjektiven der Klapp-Rahmensucher eine den jeweiligen Ausschnitt begrenzende Einlage.

Die im Zusammenhang mit den Objektivanpassungen angefertigten Entfernungsskalen sorgen heute möglicherweise für einige Verwirrung. Dies vor allem dann, wenn die ursprüngliche Objektivausstattung nicht mehr der Fokusskala entspricht. In aller Regel wird zumindest das der Skala zugrundeliegende Zusatzobjektiv - meist ein Tele - nicht mehr mit der Kamera vorhanden sein. In den Fotos zeige ich einige Skalenbeispiele, von denen es sicher noch mehr gibt. Vom "Skalenwirrwar" sind sowohl die meter- als auch die feet-Skalen der Exportkameras betroffen.

Fokus 09 schwarz Fokus 100 schwarz
Fokus 100 chrom Fokus 110 schwarz
Fokus 3,5 F chrom Fokus 4 feet schwarz


Ein scheinbar nicht zur Kamera passendes Objektiv, wenn es z.B. nicht oder nur teilweise verchromt ist (wie bei den verchromten Kameras weiter oben zu sehen), kann durchaus auch die Originalbestückung sein! Andererseits wurden sowohl Objektive als auch - wie an anderer Stelle beschrieben - komplette Objektivfassungen aus unterschiedlichen Gründen ausgetauscht. Dabei kann sich folgendes Problem ergeben: während die Fokuseinstellung bei frühen Modellen mit 0,9m beginnt, ist der kleinste Einstellwert späterer Modelle 1 m (auch die Prospektangabe). Daraus ergibt sich für die Objektive ein geringfügig anderes Auflagemaß, das eigentlich nur bei einem direkten Vergleich zu bemerken ist. Ein anderer Grund, der den Sammler heute Standard-Objektive mit unterschiedlichen Auflagemaßen und auch unterschiedliche Fokus-Skalen finden lässt, ist die zuvor beschriebene nachträgliche Modifizierung im Ihagee Werk.

Objektiv 0,9mObjektiv 1mFalls also in der aktuellen Kamera ein Objektivkopf montiert ist, dessen Auflagemaß für eine frühere oder spätere Fassung konstruiert wurde, läßt sich mit diesem Objektiv nicht korrekt nach der angeschraubten Entfernungsskala scharfstellen. Da die Fokussierungsschnecke der Standard Exakta jedoch über ein ausreichendes Spiel vor und nach den beiden äußeren Entfernungsmarken verfügt, ist dies für die praktische Anwendung eher unbedeutend. Allerdings stimmen die aufgedruckten Entfernungswerte nicht mehr. Auf den beiden Fotos ist die abweichende Objektivkonstruktion anhand des an unterschiedlichen Stellen befindlichen Objektivgewindes zu sehen.


Foto links: Objektiv für frühe Modelle mit 0,9 m Fokus; Foto rechts: Objketiv für spätere Modelle mit 1 m Fokus.

Offenbar sind für Objektivanpassungen im Ihagee-Werk unterschiedliche Methoden verwendet worden. Während man schon häufiger Normalobjektive mit einer Art auszugsverlängernder "Zwischenringanpassung" direkt hinter den Einstellringen findet (Foto oben links und mittleres Foto unten), wurden auch andere Lösungen gewählt. Die nachstehenden Fotos zeigen zwei unterschiedliche Formen der Objektivanpassung, jeweils auch im Vergleich zur Normalsituation. In den beispielhaft gezeigten Fällen wird deutlich, dass die Anpassungen mehr oder weniger aufwendige Veränderungen sowohl an der Objektivfassung, als auch am Objektiv selbst erforderten. In den meisten Fällen gingen dabei - wie oben beschrieben - die normalen Auflagemaße für nicht angepasste Objektivfassungen verloren. Manchmal lässt sich ein angepasstes Objektiv - wie im Vergleichsbild zu sehen - in eine Normalfassung gar nicht mehr einsetzen.
Objektivfassung 543059Objektivfassung 517074





Im Bild rechts zeige ich eine Objektivfassung (517.074) mit einem eingesetzten schwarzen Tubus, der 2 mm auszugsverlängernd wirkt. Zugleich wird dabei das Objektivgewinde weiter in den Tubus hineinverlegt, so dass die üblichen Standardoptiken nicht mehr passen.

Ganz rechts (Nr. 543.059) ein Tubus in der normalen Ausführung.


Objektivanpassungen
Das Foto zeigt zwei angepasste Objektive im Vergleich zur "Normalfassung" (ganz rechts Exaktar Nr. 831 077).

Ganz links im Foto ist das Tessar 2,8/7,5 (Nr. 1.849.978) für die zuvor abgebildete Objektivfassung mit dem schwarzen Tubuseinsatz zu sehen. Dieses Objektiv in Nickelfassung stammt aus einer früheren Produktionszeit als die zugehörige Kamera.

Die mittlere Abbildung zeigt ein Tessar 2,8/7,5 (Nr. 1.430.789) mit einem auszugsverlängernden Zwischenring vor dem Gewinde. Dieses Objektiv passt zwar im Gegensatz zu dem ganz links abgebildeten in eine Normalfassung, allerdings stimmen dann deren Entfernungsangaben nicht mehr. Die Fassung an der zugehörigen Kamera ist gegenüber Normalfassungen verkürzt.


Aus dem zuvor Beschriebenen folgt, dass die Standard Exakta keine Systemkamera im später üblichen Sinne ist, bei der Objektive nach Belieben gewechselt oder getauscht werden können. Offenbar war dies den Konstrukteuren durchaus auch bewusst, wie aus der Art und Weise der Objektivtubusausführung ohne fest definierte Anfangs- und Endanschläge zu erkennen ist.

Standard Exakta für Kleinbildfilm

Zwar ist die Rollfilm-Exakta nicht eigentlich als Systemkamera konstruiert worden, dennoch gab es etliches Zubehör. Recht selten ist davon heute der Kleinbildeinsatz zu finden, der zu seiner Zeit eine interessante Alternative zum 127er Rollfilm war, für den die Kamera konzipiert wurde und der damals auch als Kleinbildformat-Film bekannt und beliebt war.

Als Kleinbildfilm versteht sich seit Oscar Barnacks Leica üblicherweise und nunmehr schon 80 Jahre lang der 135er Kinofilm für das Bildformat 24x36 mm. Doch gab es in den 1930er Jahren noch ein anderes Kleinbildformat, das sogar auf dem gleichen Negativmaterial basierte, jedoch keine Perforierung hatte. Dieser Film - Rollfilm 828 - war wie seine größeren Brüder als Rollfilm konfektioniert, d.h. mit Schwarzpapier hinterlegt und damit über das Panfenster kontrollierbar. Er war in erster Linie für die Kodak Bantam bestimmt und ist Sammlern deshalb auch als Bantamfilm bekannt. Auch einige andere klassische Kameras verwendeten diesen Film, z. B. war die Photavit in den 50er Jahren auch für den Rollfilm 828 erhältlich. Mit diesem Filmmaterial ergibt sich üblicherweise eine Negativgröße von 28x40 mm.

Kleinbildeinsatz
Einzelteile des Kleinbild-Einsatzes für die Standard Exakta
Kleinbildeinsatz in Kamera
Kleinbildeinsatz mit 828er Rollfilm in einer Standard Exakta Modell B.

Der vollständige Einsatz besteht aus einer Adapterplatte für das Bildformat 28x40, die zunächst in das Bildfenster der Kamera eingelegt wird. Weiter sind zwei anschraub- oder ansteckbare Adapter für die kleineren Filmspulen des Kleinbildfilms nötig, damit diese in die Filmkammern der Kamera passen und der Film auch transportiert werden kann. Davon muss mindestens einer fest mit der Aufwickelspule verschraubbar sein und einen Transportmitnehmer für den Filmtransport haben. Der zweite, auf die Filmspule aufsteckbare Adapter erfordert keinen Mitnehmerschlitz. Im Bild sind die beiden Ausführungen gezeigt. Beide waren von Ihagee lieferbar, die übrigens auch fertige Kameras für die Verwendung von 828er Film herstellte. Weiter oben habe ich eine solche Rollfilm-Exakta als Junior-Version beschrieben. Hier sehen Sie noch ein Foto dieser Kamera mit einem geladenen 828er Rollfilm.

Jr. mit 828 Rollfilm
Exakta Jr. Nr. 430 142 mit fest eingebauter Kleinbild-Filmbühne 28x40 mm

Mit einigem Geschick, das damalige Fotografen meist besaßen, konnte auch normaler Leica-Kleinbildfilm verwendet werden. Dazu musste allerdings in der Dunkelkammer die Spule selbst bewickelt werden. Passendes Schwarzpapier für die Zwischenlage war seinerzeit in Fotohandlungen erhältlich oder konnte auch selbst angefertigt werden. Bei dieser Filmbestückung wurde das Fotografieren nicht nur preiswerter (Kleinbildfilm gab es billig als Rollenware mit 30 m und mehr). Es konnten auch mehr Bilder pro Filmladung gemacht werden, wenn die Filmlage entsprechend bemessen wurde. Nachteilig ist hingegen der Verlust durch das 25 mm kleinere Bildformat, denn der Filmtransport wurde durch die Adaption nicht verändert. Allerdings habe ich bei der beschriebenen Junior für Kleinbildaufnahmen nicht überprüft, ob evtl. auch die Filmtransportübersetzung angepasst worden ist.

Zusammenfassende Anmerkungen zur Standard Exakta

Den Kameras der Standard-Exakta-Baureihen gehörte seit Anbeginn meiner Sammelei nicht meine besondere Zuneigung. Zwar befinden sich auch etliche dieser Ur-Exaktas in meiner Sammlung, doch hatte ich ihnen bislang nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Als ich sie in den letzten drei Jahrzehnten für meine Sammlung erwarb, achtete ich dabei nur auf die Versionsangaben nach Aguila/Rouah. Dass diese nicht im Einklang standen mit den Angaben von Richard Hummel wurde mir zwar bereits beim damaligen lesen dessen Buches deutlich. Doch für eine systematische Auswertung hatte ich bisher weder Zeit noch Lust. Scheinbar doppelte Exemplare wurden auch schon wieder abgegeben und ich besitze heute nur noch deren Fotos. Die meisten der oben beschriebenen Details und Besonderheiten habe ich erst im Zusammenhang mit der Zusammenstellung dieser Seite festgestellt.

Aus dem hier Geschriebenen folgt denn auch, dass ich mir Standard Exaktas früher nie so genau betrachtet habe, um vergleichbare Typenmerkmale oder auch Unterschiede festzustellen. Deshalb kann ich zu dieser Baureihe auch nicht halbwegs so präzise Angaben machen, wie zu den Kleinbild-Exaktas. Dazu hatte ich einfach zu wenige Vergleichsexemplare zur Verfügung. Der ernsthafte Sammler mag daher meine Beschreibungen zur Standard Exakta bitte auch nur als Momentaufnahme sehen und nicht als das Endprodukt einer jahrelangen akribischen Sammelleidenschaft. Dies mag anderen Sammlern vorbehalten bleiben, die sich dieser Kamerareihe mit mehr Leidenschaft widmen als ich. Ich habe deshalb auch lange gewartet, bis ich begann, die Standard Exakta für meine homepage aufzubereiten. Dennoch glaube ich, Exakta-Sammlern einen brauchbaren Überblick dieser Ur-Exakta habe geben können, obwohl zu den einzelnen Baureihen nicht alle Typen abgebildet und beschrieben sind. Das von mir gewählte Schema sollte aber die Grundlage bieten, auch eine umfangreichere Standard-Sammlung aufzubauen als ich sie besitze. Dazu bietet gerade diese Kamerareihe schier unendliche Möglichkeiten.

Wer sich also daran wagen will, dem wünsche ich viel Erfolg bei der Suche nach seinen künftigen Sammlungsschätzen. Hierzu zum Abschluss noch einige Tips: Standard-Exakta's werden im ebay nicht selten angeboten, man muss jedoch genau hinschauen um nicht immer den gleichen Typ zu finden. Nach meinen Beobachtungen sind Exakta Modell B der 3. und 4. Baureihen am häufigsten zu finden, meist mit Tessaren 2,8/75 oder Exaktar 3,5/75. Die Modelle A, C, Nacht und Jr. sind seltener, besonders in frühen Ausführungen der Baureihen 2 oder 3. Mit Erhaltung oder Funktion darf man es nicht sehr genau nehmen. Diesbezüglichen Angaben in der Angebotsbeschreibung kann man meist nicht vertrauen, es sei denn man kennt den Anbieter.

Nur wenige Besitzer und Anbieter solcher Kameras verfügen über das Wissen, sie exakt zu prüfen und zu beschreiben. Man muss deshalb fast immer mit Verschlussdefekten rechnen; Spiegel sind oft verschlissen, erzeugen aber auch in fast blindem Zustand erstaunlicherweise noch ein Bild auf der Mattscheibe. Die Mattscheiben sind nicht selten zerbrochen, weil der Lichtschachtmechanismus unsachgemäß bedient wurde. Die Mechanik ist - wie auch von den Kleinbild-Exaktas her bekannt - in den meisten Fällen in Ordnung. Nach einer sachgemäßen Reinigung werden die Kamerafunktionen wieder brauchbar sein. Übler ist es mit Verschlusstüchern, Spiegel und Mattscheibe; wer dafür nicht ein Mehrfaches des Kaufpreises ausgeben will, muss damit leben, dass die Kamera nicht mehr in einen aufnahmebereiten Zustand zu versetzen ist. Das ist insoweit aber auch nicht besonders tragisch, als es 127er Filme ohnehin nur für teures Geld noch bei Spezialanbietern gibt. Um deren Entwicklung muss man sich überdies noch selbst kümmern, das macht so gut wie kein "Fotohändler an der Ecke" mehr. Zu den Objektiven habe ich weiter oben bereits Einiges geschrieben. Als Standardobjektive findet man meist Tessare und das von Meyer Görlitz gebaute Exaktar (heißt bei der Junior meist nur "Ihagee Anastigmat"). Bei gründlicher Suche finden sich auch Schneider Xenar, Ludwig Victar oder Steinheil Cassar.




Posted 2008/04/01; last updated 2011/10/28 Copyright © 2007-2011 by Horst Neuhaus